41. Backnanger Straßenfest | 24.6. bis 27.6.2011
Ausstellungen in den Galerien am Stiftshof
Unter dem Titel „Nähe im Überblick“ zeigt die Galerie der Stadt Backnang, Stiftshof 2, großformatige Aquarelle von Peter Holl (*1971).
Der in Stuttgart lebende Künstler weicht den üblichen atmosphärischen Begleiterscheinungen der Aquarellmalerei radikal aus, indem er den präzisen Fotorealismus seiner Arbeiten durch die Auswahl seiner Motive, aber auch durch Überlagerungen, Spiegelungen, Transparenzen oder manipulierte Größenverhältnisse einer gezielten Verunsicherung eingespielter Sehgewohnheiten unterwirft.
Viele Motive seiner neuesten, Wahrnehmungsphänomene auslotenden Arbeiten hat Holl in seinem direkten Umfeld gefunden: Menschen, die über den Marienplatz gehen, Blicke aus der Landesbibliothek, auf das Cannstatter Klinikum, in das Le Corbusier-Haus in der Weissenhof-siedlung, auf die Baustelle der neuen Stadtbibliothek oder aus dem Hegel-Haus schärfen unseren Blick für das vermeintlich Bekannte.
Die Ausstellung „Im Bann der Planeten - Das kosmologische Weltbild der frühen Neuzeit“ im Städtischen Graphik-Kabinett, im 1. Obergeschoss des Helferhauses, spürt dem kosmologisch orientierten Weltbild der frühen Neuzeit nach. Diese Sicht auf die Welt orientierte sich an der Kenntnis der Gestirne und ihrer Bewegungen. Neben den damals bekannten Planeten Mars, Venus, Jupiter, Saturn und Merkur, wurden auch die Sonne und der Mond als solche aufgefasst.
Die Planeten galten als Götter und wurden durch Mitglieder des antiken Götterhimmels personifiziert. Die himmlischen Ereignisse und Bewegungen galten dabei als Makrokosmos, der die Ereignisse auf der Erde – den Mikrokosmos – bestimmte. Neben naturwissenschaftlich-astronomische Betrachtungen traten alsbald astrologische, die auch das menschliche Tun und Handeln als vom Lauf der Planeten abhängig sahen. Als sogenannte Planetenkinder wurden die Menschen den Himmelskörpern zugeordnet, wobei die den Planeten zugesprochenen Eigenschaften jeweils auf die Erdbewohner übertragen wurden.
Druckgraphische Serien aus dem 15.—18. Jahrhundert, wie beispielsweise die "Große Planetenserie" von Jan Saenredam nach Hendrik Goltzius, die Reihe der "Planetengötter" von Heinrich Aldegrever, Zyklen zu den Jahreszeiten und den Monaten sowie eine italienische Stichfolge zu den "Stunden des Tages" führen das komplexe, enzyklopädische Weltbild der frühen Neuzeit lebendig vor Augen.

